Jagdsignale sind kurze Tonfolgen, die auf dem Jagdhorn geblasen werden. Auf einer Gesellschaftsjagd geben sie Anweisungen weiter, auf die alle Beteiligten sofort reagieren: Jetzt geht es los, jetzt kommen die Treiber, jetzt wird nicht mehr geschossen. Nach der Jagd ehren die Totsignale das erlegte Wild an der Strecke.
Früher dienten die Signale vor allem der Verständigung über weite Entfernungen. Heute stehen Sicherheit, die Steuerung der Jagd und die Pflege des Brauchtums im Vordergrund. Jagdsignale sind keine Konzertmusik, sondern Informationen. Wer an einer Drückjagd teilnimmt, sollte zumindest die wichtigsten erkennen.
Welche Arten von Jagdsignalen gibt es?
Die Signale werden in drei Gruppen eingeteilt:
- Allgemeine Signale: Sie gehören zum Rahmen der Jagd und zu geselligen Anlässen, zum Beispiel „Das hohe Wecken“, „Begrüßung“ oder „Zum Essen“.
- Jagdleitsignale: Mit ihnen gibt der Jagdleiter Anweisungen an alle Schützen und Treiber weiter. Dazu gehören auch Warnsignale und Hilferufe wie der „Notruf“.
- Totsignale: Sie werden nach der Jagd an der Strecke geblasen, für jede erlegte Wildart ein eigenes Signal.
Die verbindlichen Fassungen der Signale hat der Deutsche Jagdverband (DJV) in seinem Signalbuch „Die Jagdsignale“ festgelegt. Danach richten sich auch die Wettbewerbe der Jagdhornbläser.
Welche Signale musst du auf einer Gesellschaftsjagd kennen?
Der DJV fasst die Signale, die für die Durchführung von Gesellschaftsjagden am wichtigsten sind, in seiner Wettbewerbsklasse C zusammen. Das sind: Sammeln der Jäger, Aufbruch zur Jagd, Anblasen des Treibens, Aufmunterung zum Treiben, Treiben zurück, Treiber in den Kessel, Aufhören zu schießen und Jagd vorbei. Ein typischer Jagdtag läuft so ab:
Begrüßung und Aufbruch zur Jagd
Mit der „Begrüßung“ beginnt der Jagdtag. Der „Aufbruch zur Jagd“ kündigt an, dass sich die Schützen auf den Weg zu ihren Ständen machen.
Anblasen des Treibens
Mit dem Anblasen des Treibens, oft zusammen mit dem Signal „Das Ganze“, beginnt das eigentliche Treiben. Ab jetzt dürfen die Jäger ihre Waffen laden und freigegebenes Wild beschießen. Die Treiber beginnen mit ihrer Arbeit.
Treiber in den Kessel
Bei einer Kesseljagd bilden Schützen und Treiber einen großen Kreis, der langsam enger wird. Ertönt „Treiber in den Kessel“, darf nicht mehr in den Kessel hineingeschossen werden. Die Treiber gehen nach innen, die Schützen dürfen nur noch Wild beschießen, das den Kessel nach außen verlässt.
Hahn in Ruh
Das Signal heißt offiziell „Aufhören zu schießen“, bekannt ist es als „Hahn in Ruh“. Es beendet das Treiben. Jeder Schütze muss sofort aufhören zu schießen und seine Waffe entladen. Anblasen des Treibens, Treiber in den Kessel und Hahn in Ruh gelten als sicherheitsrelevant. In Niedersachsen etwa gehört ihre Kenntnis zum Stoff der Jägerprüfung, und wer sie bei einer Drückjagd missachtet, muss bei einem Unfall mit ernsten Folgen rechnen.
Jagd vorbei und Halali
„Jagd vorbei“ und das „Halali“ beenden den Jagdtag. Das Halali stammt aus der Hirsch- und Parforcejagd und bedeutet sinngemäß: Die Jagd ist vorüber, die Waffen ruhen. Es wird auch bei der Beerdigung eines Jägers als letzter Gruß am offenen Grab geblasen.
Was passiert beim Verblasen der Strecke?
Nach der Jagd versammeln sich alle Beteiligten am Streckenplatz. Das erlegte Wild wird nach festen Regeln gelegt, die Schützen werden geehrt. Dann verblasen die Bläser die Strecke: Für jede Wildart, die auf der Strecke liegt, erklingt ihr Totsignal. Es gilt als letzte Ehrerweisung für das Wild.
Der DJV kennt unter anderem diese Totsignale:
- Hirsch tot und Damhirsch tot
- Sau tot für Schwarzwild
- Reh tot
- Fuchs tot
- Hase tot und Kaninchen tot
- Flugwild tot
Den Abschluss des Rituals bildet das Halali. Danach ruft „Zum Essen“ zum gemeinsamen Essen. Wer bei „Sau tot“ an unseren Likör denkt: Mehr dazu liest du im Beitrag Schwarzwilderer und „Sau tot“. Ein Glas davon gehört, wenn überhaupt, ans Ende des Tages: erst wenn die Jagd vorbei ist und die Waffen versorgt sind.
Wie die Signale klingen, lässt sich schwer beschreiben. Am besten hörst du sie dir einmal an – hier „Jagd vorbei“ und „Halali“, geblasen vom Jagdhornbläsercorps Bad Driburg:
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Fürst-Pless-Horn oder Parforcehorn: Was ist der Unterschied?
Das Fürst-Pless-Horn ist das typische Jagdhorn deutscher Jäger. Es ist ein kleines, rundes Horn ohne Ventile in B-Stimmung. Seinen Namen hat es von Hans Heinrich XI., Fürst von Pless, der selbst Horn blies. Er nutzte es zuerst auf seinen Gütern in Schlesien und führte es um 1880 als Oberstjägermeister am kaiserlichen Hof in Berlin ein. Bis heute wird es fast unverändert gebaut. Bei den DJV-Wettbewerben der Klassen A bis C sind nur Fürst-Pless-Hörner zugelassen.
Das Parforcehorn ist deutlich größer. Es stammt aus der höfischen Parforcejagd zu Pferd hinter der Hundemeute im 17. und 18. Jahrhundert, die ihren Höhepunkt an den französischen Höfen unter Ludwig XIV. und Ludwig XV. hatte. Klassische Parforcehörner sind meist in D oder Es gestimmt. Um 1960 kam in Deutschland das B-Parforcehorn hinzu, das eine Oktave tiefer klingt als das Pless-Horn und gut mit ihm zusammenspielt. Gemischte Gruppen aus beiden Hörnern treten in der DJV-Klasse G an.
Wie lernst du Jagdhornblasen?
Am einfachsten lernst du Jagdhornblasen in einer Bläsergruppe. Der DJV empfiehlt, solche Gruppen in den Kreisgruppen und Jägerschaften der Landesjagdverbände zu bilden. Die Gruppen bilden auch Anfänger aus, und neben Jägern blasen viele Nichtjäger das Pless-Horn. Frag am besten in deiner Kreisjägerschaft oder in deinem Hegering nach, wo geprobt wird. Allein die Landesjägerschaft Niedersachsen zählte 2007 rund 365 Bläsergruppen mit über 5.000 aktiven Mitgliedern.
Fang mit den Signalen der Klasse C an, denn die brauchst du auf jeder Gesellschaftsjagd. Eine Gruppe dieser Klasse muss für Wettbewerbe mindestens sechs Bläser haben. Wer weitermacht, lernt später die allgemeinen Signale, die Totsignale und mehrstimmige Jagdmusik. Seinen Bundeswettbewerb für das B-Horn richtet der DJV seit 1961 alle zwei Jahre am Jagdschloss Kranichstein in Hessen aus.
Gelegenheiten zum Auftreten gibt es genug: Gesellschaftsjagden, Jägerversammlungen, Veranstaltungen rund um den Hubertustag und das Verblasen der Strecke. Mehr über die Rituale rund um die Jagd liest du in unserem Beitrag zu Bruchzeichen.
Quellen und Bildnachweis
- Landesjägerschaft Niedersachsen: Jagdhornblasen
- DJV-Vorschrift für das Jagdhornblasen
- Wikipedia: Jagdsignal
- Wikipedia: Halali (Jagd)
- Video: Jagdhornbläsercorps Bad Driburg auf YouTube
- Beitragsbild: Jagdhornbläser in Tracht mit Jagdhörnern – Foto: U. J. Alexander – stock.adobe.com
Häufige Fragen zu Jagdsignalen
Was bedeutet das Jagdsignal Hahn in Ruh?
Hahn in Ruh, offiziell Aufhören zu schießen, beendet das Treiben. Alle Schützen müssen sofort aufhören zu schießen und ihre Waffen entladen.
Welche Jagdsignale sind sicherheitsrelevant?
Anblasen des Treibens, Treiber in den Kessel und Hahn in Ruh. Sie regeln, wann geschossen werden darf und wann nicht.
Was sind Totsignale?
Totsignale werden nach der Jagd an der Strecke geblasen, für jede erlegte Wildart ein eigenes, etwa Sau tot, Reh tot, Hirsch tot oder Fuchs tot. Sie gelten als letzte Ehrerweisung für das Wild.
Welches Horn nutzt man für Jagdsignale?
In Deutschland meist das Fürst-Pless-Horn in B. Dazu kommt das größere Parforcehorn, das in B oft gemeinsam mit dem Pless-Horn gespielt wird.
Kann man Jagdhornblasen auch ohne Jagdschein lernen?
Viele Bläsergruppen nehmen auch Nichtjäger auf. Für die Teilnahme an DJV-Wettbewerben ist allerdings die Mitgliedschaft in einem Landesjagdverband nötig.




