Jägersprache: Kleines Lexikon der wichtigsten Begriffe

von | 15. September 2026

Die Jägersprache, auch Waidmannssprache genannt, ist die Fachsprache der Jäger. Sie hat eigene Wörter für Körperteile des Wildes, für Wildarten und Geschlechter, für Abläufe auf der Jagd und für das Brauchtum. Ein Reh hat keine Augen, sondern Lichter, und Blut heißt Schweiß. Wer den Jagdschein machen will, muss diese Begriffe kennen, denn die Jägersprache ist Teil der Jägerprüfung.

Unten findest du ein kleines Lexikon mit gut drei Dutzend Begriffen, die dir im Revier, in Jagdzeitschriften und am Streckenplatz immer wieder begegnen. Vorher kurz zur Frage, woher diese Sprache kommt und warum es sie überhaupt gibt.

Woher kommt die Jägersprache?

Die Waidmannssprache wird seit vielen Jahrhunderten gesprochen. Sie hat sich vor allem seit dem Mittelalter entwickelt. Im Laufe der Zeit haben auch französische und niederländische Einflüsse ihre Spuren hinterlassen.

Für ihre Entstehung gibt es mehrere Erklärungen. Eine führt sie auf sprachliche Tabus zurück: Man vermied während der Jagd die Alltagssprache, aus dem Aberglauben heraus, klare Worte könnten das Wild warnen. Eine andere Erklärung sieht in ihr den Wunsch des Adels, sich bewusst vom „gemeinen Volk“ abzugrenzen.

Warum gibt es die Jägersprache bis heute?

Der wichtigste Grund ist Genauigkeit. Die Jägersprache geht auf die exakte Beschreibung von Naturbeobachtungen und von Merkmalen des Wildes zurück. Wenn ein Jäger dem Hundeführer sagt, wo der Anschuss ist und welche Pirschzeichen er gefunden hat, wissen beide sofort, wovon die Rede ist. Das spart Zeit, wenn ein beschossenes Stück nachgesucht werden muss.

Dazu kommt das Gemeinschaftsgefühl. Wer „Waidmannsheil“ wünscht und „Waidmannsdank“ hört, gehört dazu. Die Sprache verbindet Jäger über Regionen und Generationen hinweg. Niemand erwartet von Gästen, dass sie jeden Begriff beherrschen. Wer aber regelmäßig mit Jägern unterwegs ist, versteht mit ein paar Grundbegriffen deutlich mehr.

Kleines Lexikon der Jägersprache

Die Begriffe sind nach Themen sortiert. Die Erklärungen beziehen sich auf heimisches Wild.

Körperteile des Wildes

  • Lichter: die Augen des Schalenwildes.
  • Lauscher: die Ohren des Schalenwildes. Beim Wildschwein spricht man von Gehören oder Tellern.
  • Löffel: die Ohren von Hase und Kaninchen.
  • Äser: das Maul von Reh, Hirsch und anderem wiederkäuendem Schalenwild sowie vom Hasen. Mit dem Äser nimmt das Wild die Äsung auf, also seine Nahrung. Beim Wildschwein heißt das Maul Gebrech, beim Fuchs Fang.
  • Haupt: der Kopf beim Schalenwild, außer beim Schwarzwild. Dort sagt man Kopf.
  • Läufe: die Beine von vierbeinigem Wild.
  • Decke: das Fell des wiederkäuenden Schalenwildes, zum Beispiel von Reh oder Hirsch.
  • Schwarte: die dicke, behaarte Haut von Wildschwein und Dachs.
  • Balg: die Haut mit Fell von Hase, Kaninchen, Fuchs und Marder.
  • Spiegel: der helle Fleck am Hinterteil der Hirschartigen, etwa beim Reh.
  • Wedel: der Schwanz der Hirschartigen.
  • Lunte: der Schwanz des Fuchses.
  • Blume: der Schwanz des Hasen, auch das Ende der Lunte beim Fuchs.
  • Pürzel: der Schwanz von Wildschwein und Dachs.
  • Gehörn: das Geweih des Rehbocks.
  • Gewaff: die Eckzähne des Keilers. Die unteren heißen Gewehre oder Hauer, die oberen Haderer.
  • Schweiß: das Blut des Wildes und des Jagdhundes, sobald es aus dem Körper austritt.

Wildarten und Geschlechter

  • Schalenwild: Wildarten mit Schalen, also Klauen. Dazu zählen das wiederkäuende Haarwild wie Reh und Hirsch sowie das Wildschwein.
  • Keiler: das männliche, ausgewachsene Wildschwein.
  • Bache: das weibliche, ausgewachsene Wildschwein.
  • Frischling: ein junges Wildschwein im ersten Lebensjahr.
  • Überläufer: ein junges Wildschwein im Alter zwischen 12 und 24 Monaten.
  • Ricke: das weibliche Reh.
  • Kitz: das Jungtier von Reh, Gämse oder Steinwild.
  • Rotte: eine Gruppe von Wildschweinen.
  • Sprung: eine Gruppe von Rehen, die sich meist im Winter in größeren Feldrevieren zusammenfindet.

Jagdpraxis

  • Anschuss: der Ort, an dem das Wild beim Schuss stand. Hier sucht der Jäger nach Pirschzeichen, hier beginnt die Nachsuche.
  • Pirsch: Einzeljagd, bei der der Jäger leise und gegen den Wind durch das Revier schleicht.
  • Kanzel: ein geschlossener, überdachter Hochsitz.
  • Aufbrechen: das Ausweiden des erlegten Wildes.
  • Kirrung: eine Stelle, an der in kleinen Mengen Futter ausgebracht wird, um Wildschweine zur Bejagung anzulocken.
  • Fährte: die Abdrücke, die Schalenwild mit seinen Tritten auf dem Boden hinterlässt.
  • Brunft: die Paarungszeit, etwa bei Rot- und Damwild. Beim Wildschwein heißt sie Rausche.
  • Verhoffen: wenn ziehendes oder äsendes Wild stehen bleibt, um etwas Verdächtiges zu prüfen.
Hölzerner Hochsitz im sommerlichen Laubwald
Hochsitz im Wald: Ist er geschlossen und überdacht, spricht man von einer Kanzel. Foto: Christian Schwier – stock.adobe.com

Brauchtum

  • Waidmannsheil: Gruß und Glückwunsch unter Jägern, zur Begrüßung, zum Abschied oder nach erfolgreicher Jagd. Die Antwort lautet „Waidmannsdank“.
  • Bruchzeichen: abgebrochene Zweige, mit denen sich Jäger verständigen und erlegtes Wild ehren. Mehr dazu in unserem Beitrag über Bruchzeichen.
  • Strecke: alle erlegten Tiere einer Jagd, nach einer festen Ordnung in Reihen gelegt.
  • Totverblasen: die Jagdhornsignale für jede Wildart, die auf einer Gesellschaftsjagd zur Strecke gekommen ist.
  • Halali: Jagdruf und Jagdhornsignal, das das Ende der Jagd markiert.
  • Jägerlatein: mehr oder weniger wahre Geschichten von Jägern, in denen Zahl und Größe der Beute gern wachsen.

Wie lernst du die Jägersprache am besten?

Auswendiglernen hilft für die Prüfung, im Alltag lernst du die Begriffe aber vor allem durch Zuhören. Geh mit erfahrenen Jägern ins Revier, hilf beim Aufbrechen oder auf einer Drückjagd als Treiber. Dort hörst du die Wörter in ihrem Zusammenhang, und sie bleiben hängen.

Fang mit den Begriffen an, die je nach Wildart wechseln: Decke, Schwarte und Balg, Haupt und Kopf, Wedel, Lunte und Pürzel. Wer diese Unterschiede kennt, hat das Prinzip verstanden. Viele Begriffe begegnen dir auch bei Bräuchen wie dem Streckelegen oder dem Verblasen der Strecke mit Jagdsignalen.

Und wenn dir nach der Jagd am Feuer jemand von dem Keiler erzählt, der jedes Jahr ein paar Kilo schwerer wird: Das ist kein Fachbegriff, sondern Jägerlatein.

Quellen und Bildnachweis

Häufige Fragen zur Jägersprache

Was ist die Jägersprache?

Die Jägersprache, auch Waidmannssprache, ist die Fachsprache der Jäger. Sie hat eigene Begriffe für Wild, Körperteile, Jagdabläufe und Brauchtum und ist Teil der Jägerprüfung.

Warum sagen Jäger Schweiß statt Blut?

In der Jägersprache heißt das Blut des Wildes und des Jagdhundes Schweiß, sobald es aus dem Körper austritt. Der Begriff ist bei der Nachsuche wichtig, etwa wenn am Anschuss Schweiß gefunden wird.

Was sind Lichter und Lauscher?

Lichter sind die Augen, Lauscher die Ohren des Schalenwildes, etwa beim Reh. Beim Hasen heißen die Ohren Löffel.

Was ist der Unterschied zwischen Frischling und Überläufer?

Ein Frischling ist ein Wildschwein im ersten Lebensjahr. Ein Überläufer ist zwischen 12 und 24 Monate alt.

Woher kommt die Jägersprache?

Sie hat sich vor allem seit dem Mittelalter entwickelt, mit französischen und niederländischen Einflüssen. Als Gründe gelten sprachliche Tabus, die genaue Beschreibung des Wildes und die Abgrenzung des Adels.

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