Jagdhunde: Gruppen, Rassen und Brauchbarkeitsprüfung

von | 25. August 2026

Jagdhunde werden nach ihren Aufgaben in Gruppen eingeteilt: Vorstehhunde, Stöberhunde, Schweißhunde, Erdhunde, Apportierhunde und Bracken. Jede Gruppe ist auf bestimmte Arbeiten spezialisiert, etwa die Suche im Feld, das Stöbern im Wald, die Nachsuche auf verletztes Wild oder die Arbeit am Fuchsbau. Für Nachsuchen, Drück- und Treibjagden und die Jagd auf Wasserwild schreibt das Gesetz geprüfte, brauchbare Hunde vor.

Hier bekommst du einen Überblick über die Gruppen mit typischen Rassen, über die Prüfungen und darüber, was ein Jagdhund im Alltag braucht.

Welche Gruppen von Jagdhunden gibt es?

Der Deutsche Jagdverband (DJV) und der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) unterscheiden in ihrer gemeinsamen Broschüre zu den Jagdhunden mehrere Gruppen. Die Einteilung richtet sich danach, wofür die Hunde gezüchtet wurden. Viele Rassen können mehr als eine Aufgabe, doch ihre Stärken liegen in einem bestimmten Bereich.

Vorstehhunde

Vorstehhunde gelten als jagdliche Allrounder für die Arbeit vor und nach dem Schuss. Sie suchen Wild im Feld, zeigen es durch Vorstehen an, arbeiten im Wasser und im Wald und bringen erlegtes Wild. Typische Rassen sind Deutsch Drahthaar und Deutsch Kurzhaar, dazu zählen auch Weimaraner und Münsterländer.

Stöberhunde

Stöberhunde suchen das Wild im Wald, jagen es mit Laut und bringen es so dem Jäger vor. Beispiele sind der Deutsche Wachtelhund und der English Springer Spaniel.

Schweißhunde

Schweißhunde sind Spezialisten für die Nachsuche auf Schalenwild, also auf verletztes Reh-, Rot- oder Schwarzwild. „Schweiß“ ist in der Jägersprache das Blut des Wildes. Die bekanntesten Rassen sind der Hannoversche Schweißhund und der Bayerische Gebirgsschweißhund.

Erdhunde

Erdhunde arbeiten unter der Erde, vor allem bei der Baujagd. Dazu gehören die Teckel in Kurz-, Lang- und Rauhaar sowie Terrier wie der Deutsche Jagdterrier. Beide jagen laut und sind auch über der Erde einsetzbar.

Apportierhunde

Apportierhunde, meist Retriever, sind Spezialisten für die Arbeit nach dem Schuss. Sie bringen erlegtes Haar- und Federwild. Bekannte Vertreter sind der Labrador Retriever und der Golden Retriever.

Bracken

Bracken zählen zu den ältesten Jagdhunden. Sie jagen spur- und fährtenlaut, folgen also der Spur des Wildes und geben dabei Laut. Beispiele sind die Deutsche Bracke und die Steirische Rauhaarbracke. Auch der Beagle wird in dieser Gruppe geführt.

Zwei Weimaraner mit orangefarbenen Halsungen in einer herbstlichen Wiese
Weimaraner gehören wie Deutsch Drahthaar und Deutsch Kurzhaar zu den Vorstehhunden. Foto: sergo321 – stock.adobe.com

Wozu braucht man auf der Jagd überhaupt Hunde?

Ohne Hund wäre waidgerechte Jagd in vielen Situationen kaum möglich. Der Hund findet Wild, das der Mensch nicht sieht oder riecht, und er findet verletztes Wild nach einem schlechten Schuss. Gerade die Nachsuche ist eine Frage des Tierschutzes.

Der Landesjagdverband Hessen betont, dass nur gut ausgebildete und geprüfte Jagdhunde eine tierschutzgerechte Jagd sicherstellen. In Hessen schreibt § 28 des Hessischen Jagdgesetzes deshalb vor, dass unter anderem bei Nachsuchen, Drück- und Treibjagden und bei der Jagd auf Wasserwild brauchbare Jagdhunde einzusetzen sind. Wie wichtig gut arbeitende Hunde etwa bei der Jagd auf Sauen sind, liest du im Beitrag über Schwarzwild.

Was ist eine Brauchbarkeitsprüfung?

Die Brauchbarkeitsprüfung stellt fest, ob ein Hund für den praktischen Jagdbetrieb taugt. Die gesetzlichen Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland. Gemeinsam ist allen: Für bestimmte Jagdarten sind geprüfte, „brauchbare“ Hunde Pflicht. Auf den Prüfungen werden ererbte Anlagen und erlernte Fähigkeiten nachgewiesen und festgehalten.

Welche Fächer zur Brauchbarkeitsprüfung gehören, zeigt das Jagdmagazin PIRSCH in diesem Video:

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Der Landesjagdverband Hessen definiert es so: Brauchbar ist ein Jagdhund, wenn er mindestens die Anforderungen der hessischen Brauchbarkeitsprüfungsordnung erfüllt hat. Die Brauchbarkeit ist also eine Mindestanforderung für den Einsatz auf der Jagd. Daneben gibt es die Verbandsprüfungen des JGHV, die weiter unten erklärt werden.

In Hessen führen der Landesjagdverband und seine angeschlossenen Jagdvereine die Prüfungen durch. Grundlage ist die Brauchbarkeitsprüfungsordnung (BPO Hessen). Für jedes Prüfungsfach muss der Hund zuerst die Module „Allgemeiner Gehorsam“ und „Schussfestigkeit“ bestehen. Danach kann er in diesen Fächern geprüft werden:

  • Nachsuche auf Niederwild
  • Wasserarbeit auf der Schwimmspur von Stockenten
  • Nachsuche auf Schalenwild
  • Stöberarbeit
  • Bauarbeit

Nach bestandener Prüfung bekommt der Hundeführer die Bestätigung über die Untere Jagdbehörde. Ein Hund kann also für bestimmte Aufgaben brauchbar sein, für andere nicht. Ein Teckel mit bestandener Bauarbeit ist damit noch kein Hund für die Wasserarbeit.

Welche Rolle spielen die Prüfungen des JGHV?

Der Jagdgebrauchshundverband ist der Dachverband der Jagdgebrauchshunde-Vereine. Seine Mitgliedsvereine, darunter viele Zuchtvereine einzelner Rassen, und die Landesjagdverbände arbeiten bei Prüfung, Zucht und Ausbildung eng zusammen.

Der JGHV hat eigene Prüfungsordnungen. Die bekannteste ist die Verbandsgebrauchsprüfung (VGP). Sie ist eine Leistungsprüfung mit Fächern aus Waldarbeit, Wasserarbeit, Feldarbeit und Gehorsam. Ziel ist laut Prüfungsordnung, Hunde zu finden, die in der Praxis „wirkliche Gebrauchshundarbeit“ leisten. Für Schweißhunde und andere Nachsuchenhunde gibt es eigene Prüfungen, etwa die Verbandsschweißprüfung und die Verbandsfährtenschuhprüfung.

Prüfungen nach den Regeln des JGHV können in Hessen als Nachweis der Brauchbarkeit dienen, wenn sie den Anforderungen der hessischen Brauchbarkeitsprüfung entsprechen.

Ist ein Jagdhund ein guter Familienhund?

Die ehrliche Antwort: Ein Jagdhund gehört in Jägerhand. Diese Hunde sind über Generationen auf Finderwillen, Ausdauer und Arbeit am Wild gezüchtet. Ein Deutsch Drahthaar oder ein Wachtelhund, der nie jagen darf, ist meist unterfordert, und das merkt man im Alltag schnell.

DJV und JGHV raten, die Wahl der Rasse vor allem nach den eigenen Jagdmöglichkeiten zu treffen. Wer überwiegend Drückjagden im Wald besucht, braucht einen anderen Hund als jemand, der am Wasser oder im Feld jagt. Selbst Hunde aus reiner Schönheitszucht haben oft noch jagdliche Anlagen und brauchen entsprechende Beschäftigung.

Gleichzeitig lebt ein Jagdhund mit seiner Familie. Ein ausgeglichenes Wesen ist deshalb Voraussetzung, und der Hund sollte fest in die Familie eingebunden sein. Vertrauen zwischen Hund und Führer wächst im Zusammenleben. Für die Ausbildung braucht es Geduld, Ruhe und Konsequenz. Gewalt wie Stachelhalsband oder Peitsche lehnen DJV und JGHV ausdrücklich ab.

Wer sich für die Jagdkultur rund um Gesellschaftsjagden interessiert, findet mehr in den Beiträgen zu den Jagdsignalen und zu traditionellen Jagdbräuchen.

Quellen und Bildnachweis

Häufige Fragen zu Jagdhunden

Welche Jagdhunderassen gibt es?

Jagdhunde werden in Gruppen eingeteilt: Vorstehhunde wie Deutsch Drahthaar, Stöberhunde wie der Deutsche Wachtelhund, Schweißhunde wie der Hannoversche Schweißhund, Erdhunde wie Teckel und Jagdterrier, Apportierhunde wie der Labrador und Bracken wie die Deutsche Bracke.

Was ist eine Brauchbarkeitsprüfung für Jagdhunde?

Sie stellt fest, ob ein Hund für bestimmte jagdliche Aufgaben geeignet ist, etwa Nachsuche, Wasserarbeit, Stöbern oder Bauarbeit. Die Regeln legen die Bundesländer fest, in Hessen führt der Landesjagdverband die Prüfungen durch.

Was macht ein Schweißhund?

Ein Schweißhund sucht verletztes Schalenwild nach, zum Beispiel nach einem Unfall oder einem schlechten Schuss. Schweiß ist das jägersprachliche Wort für Blut.

Kann man einen Jagdhund als Familienhund halten?

Jagdhunde leben zwar mit der Familie, brauchen aber regelmäßige jagdliche Arbeit. Ohne diese Aufgabe sind sie meist unterfordert, deshalb gehört ein Jagdhund in Jägerhand.

Was ist die VGP beim Jagdhund?

Die Verbandsgebrauchsprüfung des JGHV ist eine Leistungsprüfung mit Fächern aus Wald-, Wasser- und Feldarbeit sowie Gehorsam.

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