Schwarzwild: Lebensweise, Bestand und Jagd auf Wildschweine

von | 29. September 2026

Schwarzwild ist der jagdliche Name für das Wildschwein. Es lebt in Rotten, also Familienverbänden aus Bachen und ihrem Nachwuchs, ist vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs und frisst fast alles, was Wald und Feld hergeben. In Deutschland erlegen Jäger jedes Jahr mehrere Hunderttausend Sauen, im Jagdjahr 2024/25 waren es laut Deutschem Jagdverband 568.497 Stück.

Hier erfährst du, wie die Begriffe Bache, Keiler, Frischling und Überläufer richtig verwendet werden, wie sich die Bestände entwickeln, wie Schwarzwild bejagt wird und wie die Lage bei der Afrikanischen Schweinepest in Hessen aussieht.

Bache, Keiler, Frischling, Überläufer: Wer ist wer?

Die Jägersprache unterscheidet beim Wildschwein genau nach Geschlecht und Alter. Das ist nicht nur Tradition. Wer eine Sau richtig ansprechen kann, trifft beim Schuss die richtige Entscheidung.

  • Keiler: das erwachsene männliche Wildschwein. Keiler leben als Einzelgänger und tragen starke Eckzähne, das Gewaff.
  • Bache: das weibliche Wildschwein. Ihre Eckzähne sind deutlich kleiner als die des Keilers.
  • Frischling: das Jungtier im ersten Lebensjahr. Frischlinge tragen in den ersten Monaten ein längsgestreiftes Fell.
  • Überläufer: Schwarzwild beiderlei Geschlechts im zweiten Lebensjahr. Junge Keiler werden mit Beginn der Geschlechtsreife aus der Rotte vertrieben und ziehen dann oft als Überläuferrotte umher. Weibliche Überläufer bleiben bei der Bache und können schon selbst Frischlinge bekommen.
  • Rotte: der Familienverband aus Bachen und Jungtieren. Erwachsene Keiler gehören nicht dazu.

Weitere Namen sind „Sauen“ oder „Schwarzkittel“. Ein ausgewachsenes Wildschwein wiegt in Deutschland nach Angaben des DJV etwa 100 bis 150 Kilogramm. Im Sommer ist das Fell braunschwarz, im Winter überwiegend schwarz.

Nicht umsonst steckt das Schwarzwild auch im Namen unseres Kräuterlikörs Schwarzwilderer.

Wie lebt Schwarzwild?

Wildschweine mögen unterholzreiche Laub- und Mischwälder, nutzen aber auch Felder, wenn sie dort Deckung finden. Wasser ist wichtig: zum Trinken und zum Suhlen im Schlamm. Ihre Nase ist hervorragend, ihre Augen dagegen eher schwach.

Als Allesfresser nehmen Sauen Gras, Kräuter, Wurzeln, Knollen, Früchte und Samen auf, dazu Würmer, Insekten, Mäuse, Gelege und Aas. Dafür wühlen sie den Boden mit der Schnauze auf.

Die Paarungszeit, die Rauschzeit, liegt im November und Dezember. Bei guter Nahrungslage können Bachen aber das ganze Jahr über paarungsbereit sein. Nach etwa vier Monaten Tragzeit zieht sich die Bache aus der Rotte zurück und baut einen Wurfkessel aus Zweigen. Dort frischt sie, meist im Frühjahr, ein bis acht Frischlinge, die sie etwa drei Monate säugt.

In den ersten Tagen duldet die Bache niemanden in der Nähe ihres Kessels und greift auch Menschen an. Wenn du im Frühjahr im Wald unterwegs bist und Frischlinge siehst, halte deshalb Abstand.

Keiler mit sichtbarem Gewaff auf einem Waldweg
Ein Keiler: Erwachsene männliche Wildschweine leben als Einzelgänger und tragen das Gewaff. Foto: Klaus Brauner – stock.adobe.com

Wie entwickeln sich die Bestände in Deutschland?

Die Jahresstrecke, also die Zahl der erlegten und tot aufgefundenen Wildschweine, gilt als Hinweis auf die Bestandsentwicklung. Der Deutsche Jagdverband veröffentlicht sie jedes Jahr nach Bundesländern.

Die Zahlen schwanken stark. Den bisherigen Höchstwert gab es im Jagdjahr 2019/20 mit 882.231 Sauen. Im Jagdjahr 2022/23 waren es nur 462.220, danach stieg die Strecke wieder auf 550.551 (2023/24) und 568.497 (2024/25). Zum Vergleich: Im Jagdjahr 2004/05 lag sie bei 476.042.

In Hessen wurden im Jagdjahr 2024/25 genau 57.859 Wildschweine erlegt oder als Fallwild gefunden. Im Jagdjahr 2017/18 waren es dort sogar 96.001 Stück. Die Zahlen zeigen: Schwarzwild ist in fast ganz Deutschland verbreitet, und der Bestand lässt sich nur mit dauerhaft intensiver Jagd im Griff behalten.

Wie wird Schwarzwild bejagt?

Die beiden wichtigsten Jagdarten sind der Ansitz und die Bewegungsjagd. Beide haben ihre Stärken, und in den meisten Revieren werden sie kombiniert.

Ansitz

Beim Ansitz wartet der Jäger auf dem Hochsitz oder der Kanzel, bis die Sauen kommen. Gute Plätze sind Wiesen und Maisfelder, im Wald Mastbäume und Wechsel, im Sommer auch Suhlen. Am zuverlässigsten ziehen Sauen am Abend und in der frühen Nacht aus ihren Einständen. Wind, Licht und Störung entscheiden über den Erfolg: Wer zu oft vergrämt, macht die Rotte vorsichtiger.

Nach einer Befragung in Baden-Württemberg, die die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zitiert, wird etwa zwei Drittel der Schwarzwildstrecke auf dem Ansitz erlegt.

Drückjagd und Bewegungsjagd

Bei Bewegungsjagden bringen Treiber und Hunde das Wild in Bewegung, die Schützen sitzen an den Fluchtwechseln. Ein Treiben dauert meist zwei bis vier Stunden. Laut jagende Hunde gelten als besonders wichtig, weil das Wild dann ruhiger zieht und seine Wechsel einhält. Mehr über die Hunde, die dabei arbeiten, liest du im Beitrag über Jagdhunde.

Revierübergreifend abgestimmte Drückjagden bringen nach den Erfahrungen der LWF bessere Ergebnisse als der Ansitz allein, bei vergleichsweise wenig Jagddruck. Ein Grundsatz gilt bei jeder Jagdart: Die Leitbache wird geschont. Wer nicht sicher ansprechen kann, ob eine führende Bache vor ihm steht, schießt nicht. Wie es nach einer erfolgreichen Saujagd am Feuer weitergeht, zeigt der Beitrag „Sau tot“.

Welche Wildschäden verursachen Wildschweine?

Wo Sauen auf Felder ziehen, entstehen schnell teure Schäden. Besonders hoch sind die Schäden in Maisfeldern und auf frisch eingesäten Flächen. Kommt das Getreide in die Milchreife, ziehen die Sauen verstärkt auf die Felder. Der DJV formuliert es drastisch: „Eine Rotte Sauen kann in einer Nacht einen ganzen Haferschlag oder ein Maisfeld verwüsten.“

Gegen Schäden hilft vor allem eine angepasste Wilddichte. Dazu gehört, Frischlinge und Überläufer konsequent zu bejagen. Die Sommerjagd auf diese jungen Stücke leistet nach Einschätzung der LWF einen wichtigen Beitrag zur Schadensminderung. Wie Jäger darüber hinaus Wald und Feld unterstützen, steht im Beitrag Jäger und Naturschutz.

Wie ist die Lage bei der Afrikanischen Schweinepest in Hessen?

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Viruserkrankung, die Wild- und Hausschweine befällt. Für Menschen ist sie ungefährlich. In Hessen ist bisher nur der Süden betroffen.

Nach Angaben des Landes Hessen (zuletzt aktualisiert im Oktober 2026) gab es bisher insgesamt 2.340 positive Fälle, alle in Südhessen. Betroffen sind die Kreise Bergstraße, Groß-Gerau, Darmstadt-Dieburg, Rheingau-Taunus und Odenwald sowie die Stadt Darmstadt. In Nordhessen wurden zwar Kadaver untersucht, ein positiver Fall war dort aber nicht dabei. Die Sperrzonen legen die Landkreise und kreisfreien Städte per Allgemeinverfügung fest. Sie ändern sich, deshalb lohnt sich vor jeder Jagd ein Blick auf die aktuellen Karten des Landes.

Was du tun kannst: Wenn du ein totes Wildschwein findest, melde es. Das Land Hessen nennt dafür die App linqi, deren Meldung direkt an das zuständige Veterinäramt geht, und die Tierfund-Kataster-App des DJV. Jäger können zusätzlich bei der Kadaversuche, der Probenahme und der gezielten Bejagung helfen. In den Sperrzonen stehen außerdem die Mobilen Entnahmeteams des Landes zur Verfügung.

Schwarzwild bleibt damit eine der wichtigsten und anspruchsvollsten Wildarten in Deutschland. Wer es auf den Teller bringen will, findet ein passendes Rezept für eine Wildschweinkeule aus dem Ofen.

Quellen und Bildnachweis

Häufige Fragen zu Schwarzwild

Was ist der Unterschied zwischen Schwarzwild und Wildschwein?

Es gibt keinen. Schwarzwild ist der jagdliche Begriff für das Wildschwein, ebenso wie Sauen oder Schwarzkittel.

Was ist ein Überläufer beim Wildschwein?

Ein Überläufer ist ein Wildschwein im zweiten Lebensjahr, egal ob männlich oder weiblich. Junge Keiler verlassen in diesem Alter die Rotte, junge Bachen bleiben meist bei der Mutter.

Wie viele Frischlinge bekommt eine Bache?

Eine Bache frischt nach etwa vier Monaten Tragzeit ein bis acht Frischlinge, meist im Frühjahr. Sie säugt sie rund drei Monate.

Ist die Afrikanische Schweinepest für Menschen gefährlich?

Nein. Die ASP befällt nur Haus- und Wildschweine. Tote Wildschweine solltest du trotzdem melden, in Hessen zum Beispiel über das Meldeportal linqi.

Wie viele Wildschweine werden in Deutschland erlegt?

Laut Deutschem Jagdverband waren es im Jagdjahr 2024/25 insgesamt 568.497 Stück einschließlich Fallwild. Der Höchstwert lag 2019/20 bei 882.231.

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