Der Rehbock ist das männliche Reh. Von Ricke und Kitz unterscheidet er sich vor allem durch sein Gehörn, das er jedes Jahr im Herbst abwirft und über den Winter neu bildet. Im Frühjahr fegt er den Bast ab, im Sommer markiert er sein Revier, und in der Blattzeit im Juli und August folgt er den brunftigen Ricken.
In diesem Beitrag geht es um den Aufbau des Gehörns, den Jahreslauf des Bocks, sein Verhalten und die Frage, wann er bejagt werden darf.
Woran erkennst du einen Rehbock?
Das Reh ist die kleinste heimische Hirschart. Ausgewachsene Tiere wiegen laut Deutschem Jagdverband 17 bis 22 Kilogramm, sehr gut entwickelte bis 25 Kilogramm. Die Schulterhöhe liegt zwischen 54 und 84 Zentimetern. Das Sommerfell ist rotbraun, das Winterfell graubraun, am Hinterteil sitzt ein heller Fleck, der Spiegel.
Die Familie hat feste Namen:
- Bock: das männliche Reh. Nur er trägt ein Gehörn.
- Ricke: das weibliche Reh, ohne Gehörn.
- Kitz: das Jungtier. Kitze tragen ein gepunktetes Tarnkleid.
Wer die richtigen Begriffe sicher verwenden will, findet mehr dazu im Beitrag über die Jägersprache.
Wie ist das Gehörn eines Rehbocks aufgebaut?
Was Jäger beim Reh „Gehörn“ nennen, ist streng genommen ein Geweih aus Knochensubstanz. Es sitzt auf zwei Knochenzapfen des Stirnbeins, den Rosenstöcken. Bei gut ernährten Bockkitzen sind diese Zapfen im Herbst schon etwa drei Zentimeter lang.
Auf den Rosenstöcken wachsen zwei Stangen, die in Mitteleuropa im Schnitt 15 bis 20 Zentimeter lang werden. Ein normal entwickelter älterer Bock hat an jeder Stange drei Enden: die Vordersprosse, die Hintersprosse und das Stangenende. Zusammen sind das sechs Enden, deshalb spricht man dann vom Sechserbock. Einjährige Böcke tragen meist noch einfache, unverzweigte Spieße.
Das Gehörn dient vor allem dem Kampf mit anderen Böcken. Die Farbe kommt übrigens nicht aus dem Knochen selbst, sondern vom Holz, an dem der Bock fegt. Böcke, die an Erlen oder Nadelhölzern fegen, haben oft besonders dunkle Gehörne.

Abwurf, Schieben, Fegen: Wie läuft das Gehörnjahr?
Das Gehörn des Rehbocks folgt einem festen Jahreslauf, der im Herbst mit dem Abwurf beginnt.
Abwurf im Herbst
Böcke ab dem Ende des ersten Lebensjahres werfen ihr Gehörn jedes Jahr ab, nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung zwischen Oktober und Dezember. Die abgeworfenen Stangen liegen dann im Wald und sind bei Nagetieren beliebt, weil sie Kalzium und Phosphor enthalten.
Schieben im Winter
Direkt nach dem Abwurf beginnt das neue Gehörn zu wachsen. Jäger sagen: Der Bock schiebt. Das wachsende Gehörn ist von einer schützenden und nährenden Haut überzogen, dem Bast. Solange das Gehörn wächst, sagt man: Der Bock steht im Bast.
Fegen im Frühjahr
Ist das Gehörn fertig, stirbt der Bast ab. Der Bock reibt ihn an jungen Bäumen und Büschen ab, er fegt. Böcke ab zwei Jahren fegen in Mitteleuropa meist in der zweiten Märzhälfte, einjährige Böcke sieben bis acht Wochen später. Das Fegen ist zugleich Reviermarkierung: Der Bock streift dabei Duftstoffe aus Drüsen an der Stirn ab.
Wann ist beim Reh Blattzeit?
Die Brunft der Rehe heißt Blattzeit und liegt im Juli und August. Die Deutsche Wildtier Stiftung nennt etwa Mitte Juli bis Mitte August. Die Böcke markieren ihre Reviere schon Wochen vorher, besonders heftig sind die Revierkämpfe im Mai.
Eine Ricke ist nur rund vier Tage paarungsbereit. In dieser Zeit treibt der Bock sie, oft über weite Strecken und manchmal über Stunden. Die Ricke ruft dabei mit einem hohen Fiepen. Genau diesen Laut ahmen Jäger beim Blatten nach, um einen Bock anzulocken. Daher kommt auch der Name Blattzeit.
Eine Besonderheit ist die Keimruhe. Das befruchtete Ei entwickelt sich zunächst kaum weiter, erst ab Dezember geht es richtig los. Deshalb dauert die gesamte Tragzeit etwa neuneinhalb Monate. Die Kitze kommen im Mai und Juni zur Welt, meist zwei, seltener eines oder drei. Bei der Geburt wiegen sie etwa ein Kilogramm.
Wenn du im Frühsommer ein Kitz allein im Gras findest: nicht anfassen. Die Ricke legt ihre Kitze ab und kommt zum Säugen zurück. Riecht das Kitz nach Mensch, nimmt sie es unter Umständen nicht mehr an.
Wie verhält sich ein Rehbock im Jahreslauf?
Rehe sind sehr ortstreu. Im Frühjahr und Sommer verhält sich der Bock territorial und verteidigt sein Revier gegen andere Böcke, oft über mehrere Jahre hinweg. Er markiert es mit Duftdrüsen an der Stirn und an den Läufen.
Im Winter geben Rehe ihre Territorien auf und schließen sich zu größeren Gruppen zusammen, den Sprüngen. In der offenen Feldflur können das Dutzende Tiere sein. Vor der Setzzeit im Frühjahr lösen sich die Sprünge wieder auf.
Erschrockene Rehe stoßen einen bellenden Laut aus, Jäger sagen „schrecken“. Ihre Nase ist ausgezeichnet: Ein Reh kann einen Menschen auf mehr als 300 Meter Entfernung wittern. Bei der Nahrung ist es wählerisch. Als sogenannter Konzentratselektierer sucht es sich nährstoffreiche, wenig verholzte Pflanzenteile wie Knospen, Kräuter und junge Gräser.
Wann darf der Rehbock gejagt werden?
Die Jagdzeiten legen Bund und Länder fest, und sie unterscheiden sich je nach Bundesland. Auf Bundesebene gilt für Rehböcke die Zeit vom 1. Mai bis 15. Oktober. Viele Länder haben eigene Regelungen getroffen, die davon abweichen.
Ein Beispiel ist Hessen. Nach der Hessischen Jagdverordnung von 2022 (Stand Juni 2026) dürfen Böcke und Schmalrehe vom 1. April bis 31. Januar bejagt werden, Kitze vom 1. September bis 31. Januar. Weil sich Jagdzeiten ändern können, prüfe vor der Jagd immer die aktuelle Fassung der Verordnung in deinem Land und die Vorgaben deiner Unteren Jagdbehörde.
Für viele Jäger ist der Start der Bockjagd trotzdem ein besonderer Moment im Jagdjahr. Was es damit auf sich hat, steht im Beitrag zum Aufgang der Bockjagd. Zur Einordnung: Laut Deutschem Jagdverband kamen im Jagdjahr 2024/25 bundesweit 1.265.740 Rehe zur Strecke, davon 103.423 in Hessen.
Was aus dem Wildbret werden kann, zeigt zum Beispiel unser Rehrücken-Rezept.
Quellen und Bildnachweis
- Deutscher Jagdverband: Tiersteckbrief Reh (Capreolus capreolus)
- Deutsche Wildtier Stiftung: Reh
- Wikipedia: Reh
- Hessische Jagdverordnung (HJagdV) bei umwelt-online, Stand 01.06.2026
- Deutscher Jagdverband: Jagdstatistik für einzelne Wildarten (Jahresstrecke Rehwild 2024/25)
- Beitragsbild: Rehbock mit Ricke auf einer Lichtung – Foto: Janusz – stock.adobe.com
- Bild im Text: Abwurfstange eines Rehbocks – Foto: FotoHelin – stock.adobe.com
Häufige Fragen zum Rehbock
Wann wirft der Rehbock sein Gehörn ab?
Böcke ab dem Ende des ersten Lebensjahres werfen ihr Gehörn jedes Jahr ab, meist zwischen Oktober und Dezember. Gleich danach wächst unter dem Bast ein neues.
Wann fegt der Rehbock?
Ältere Böcke fegen den Bast in Mitteleuropa meist in der zweiten Märzhälfte ab, einjährige Böcke sieben bis acht Wochen später.
Was ist der Unterschied zwischen Bock und Ricke?
Der Bock ist das männliche Reh und trägt ein Gehörn. Die Ricke ist das weibliche Reh und hat kein Gehörn.
Wann ist die Blattzeit beim Reh?
Die Blattzeit liegt im Juli und August, etwa von Mitte Juli bis Mitte August. Der Name kommt vom Blatten, bei dem Jäger das Fiepen der Ricke nachahmen.
Wie viele Enden hat ein Rehbock?
Ein normal entwickelter älterer Bock hat an jeder Stange drei Enden, zusammen also sechs. Einjährige Böcke tragen oft nur einfache Spieße.




